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Speditionskaufmann, Bergführer und Autor

* 21.9.1924 in Innsbruck

† 27.6.1957 am Chogolisa in Pakistan

Hermann Buhl

Hermann Buhl galt in den 1950er und 60er Jahren international als Prototyp des leistungsstarken Extrembergsteigers.

Für mehrere Generationen von Alpinisten, nicht nur in deutschsprachigen Ländern, sondern auch in England und Amerika, ist Buhl zum Vorbild geworden, vor allem der Beharrlichkeit wegen, mit welcher er seine Ziele verfolgte.

 In Fachkreisen machte Buhl erstmals 1943 durch seine entscheidende Rolle bei der Erstbegehung der Maukspitze-Westwand auf sich aufmerksam, die damals als die weitaus schwierigste Kletterführe im Wilden Kaiser galt. Im März 1950 glückte Buhl zusammen mit Kuno Rainer die erste Winterbegehung der Marmolata-Südwestwand. Die erste Alleinbegehung der Piz Badile-Nordostwand im Jahr 1952 in nur viereinhalb Stunden wurde vom alpinen Publikum als Sensation empfunden. Dass Buhl die Anreise von Innsbruck ins Bergell mit dem Fahrrad bewerkstelligte und beim Heimstrampeln im Sekundenschlaf in den Inn stürzte, gehört ebenso zum festen Bestand der Oral History des ostalpinen Bergsteigens wie Buhls nächtlicher Winteralleingang des Salzburger Wegs durch die Watzmann-Ostwand im Winter 1953.

Weltruhm erlangte Hermann Buhl im selben Jahr durch seine Erstbesteigung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat im Alleingang. Vom Lager auf 6900 Metern brach Buhl am 3. Juli 1953 um 2.30 Uhr auf. Um 7 Uhr hat der den Silbersattel erreicht; sein Höhenmesser zeigt 7400 Meter. Bald wird jeder Schritt zur Willensleistung.

Links unter dem Vorgipfel durchquerend, erreicht Hermann Buhl die 7812 Meter hohe Bazhinscharte, von der ein turmreicher, scharfer Grat zum höchsten Punkt hinaufführt. In schwieriger Felskletterei, die zum Teil den fünften Grad erreicht, gewinnt der Tiroler die Schulter des Achttausenders. Gegen 19 Uhr steht er am Gipfel des „deutschen Schicksalsbergs“ – 8125 Meter. Seine Besteigung hatte im Laufe der Jahre 21 Menschen das Leben gekostet.

Beim Abstieg wird Buhl in rund 8000 Metern Höhe zum Freibiwak gezwungen. Zum Glück ist das Wetter gut, kein Wind, kein Schneefall, keine allzu tiefen Temperaturen. Wenn das Wetter umgeschlagen hätte, wäre Hermann Buhl sicher nicht heimgekehrt. Er übersteht die Nacht und steigt ab, genarrt von Halluzinationen. Besonders zu schaffen machen dem total Erschöpften die Gegenanstiege. Jeder kleine Buckel wird zum Berg, den er sich nur mit äußerster Überwindung hinaufschleppt. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreicht er das winzige Zelt. Zutiefst ergriffen empfangen seine Kameraden den fast schon tot Geglaubten.

Der Erfolg am Nanga Parbat machte Hermann Buhl über Nacht zum Bergsteigerstar und international gefragten Vortragsredner. Am 9. Juni 1957 stand Hermann Buhl zusammen mit Kurt Diemberger auf dem 8047 Meter hohen Broad Peak, kurz zuvor hatten ihr Expeditionskameraden Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller den höchsten Punkt erreicht. Damit war Hermann Buhl der erste und einzige Alpinist, der die Erstbesteigung von zwei Achttausendern für sich verbuchen konnte. Wenige Tage später kam der schon zu Lebzeiten legendäre Extrembergsteiger am Gipfelgrat des benachbarten Siebentausenders Chogolisa durch Wechtenbruch ums Leben.

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