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Der die Rupalflanke rechterhand begrenzende Südpfeiler ist extrem steil, von Stein- und Eisschlag bedroht und weist häufig schlechte Verhältnisse auf. Kein Wunder, dass hier bereits viele starke Expeditionen gescheitert waren.

Wenige Wochen vor dem Eintreffen der Herrligkoffer-Mannschaft war es dem leistungsfähigen französisch-deutschen Team des Spitzenalpinisten Yannick Seigneur aus Chamonix nicht besser ergangen. Auch Herrligkoffer tritt mit einer starken internationalen Mannschaft an. Ihr gehört der junge Schweizer Ueli Bühler, die Polen Andrzej Napoleon Bielun und Tadeusz Piotrowski sowie die Deutschen Valentin Demmel, Hartmut Münchenbach, Georg Ritter, Jörg Rosenkranz und Joachim Zeitz an.

Die erste Hälfte des Aufstiegs führt am linken Rand eines 2000 Meter hohen Couloirs empor, das häufig von Stein- und Eislawinen bestrichen wird. Auf einem sicheren Felskopf unterhalb dieser Rinne wird am 13. Juli Lager 1 errichtet. Den Platz für Camp 2 pickeln Bühler, Münchenbach und Ritter mühsam aus der Steilwand heraus. Darüber ist im Wasserfallstil ein immerhin 70 Grad steiler Aufschwung zu bewältigen, ehe das Trio zum zentralen Eisfeld vordringen kann. Oberhalb von 5900 Metern ist die Route weniger gefährlich. Allerdings ist der Weg dort hinauf so anspruchsvoll, dass die Expeditionsmitglieder den Nachschub selbst besorgen müssen. Um die Steinschlaggefahr zu minimieren, geschieht dies vorwiegend in den Nachtstunden. Mitte August errichten Ritter und Piotrowski auf 7300 Metern Lager 5.

Am 16. August starten Hartmut Münchenbach, Ueli Bühler, Georg Ritter und Teddy Piotrowski einen Gipfelversuch. Über den steilen Lockerschneehang wühlen sie sich im Schneckentempo höher. Ueli Bühler, von einer Darminfektion geschwächt, kann nicht mithalten und bleibt zurück. Nebel fällt ein. Am Spätnachmittag finden sich Münchenbach, Ritter und Piotrowski etwa neunzig Höhenmeter unter dem Südgipfel. Ihnen ist klar, dass sie bei einem weiteren Aufstieg gezwungen sein würden, die Nacht im Freien zu verbringen. Ihre Wärmekleidung ist durchnässt vom geschmolzenen Schneestaub, in den Schuhen quietscht das Wasser. Während des Abstiegs ins Lager 5 blickt Georg Ritter nach oben und sieht, weit oberhalb in der Gipfelflanke, die schemenhafte Gestalt von Ueli Bühler. Er hatte auf rund 7700 Metern in einem Schneeloch gerastet, an dem seine Kameraden bei ihrem Abstieg ahnungslos im Nebel vorbei geklettert waren. Bühler winkt den Freunden zu. Er denkt überhaupt nicht daran, ins Lager abzusteigen. In der Nacht sinkt die Temperatur auf minus 30 Grad. Am Morgen setzt der junge Schweizer seinen Gang zum Gipfel fort. Wie von einem Magneten gezogen. Schließlich erreicht er den Sattel zwischen Süd- und Hauptgipfel und stapft keuchend hinauf zur 8042 Meter hohen Südspitze.

Ueli Bühler hat sich nicht nur schwere Erfrierungen an Händen und Füßen zugezogen, sondern ist auch noch höhenkrank. Beim Abstieg ins Lager 5 kommt er zwei Mal von der korrekten Route ab, wird jedoch von Georg Ritter auf den richtigen Kurs zurück gelotst. Beim Abstieg nach Lager 4 stürzt Bühler zwei Mal ins Seil, wird von seinen Kameraden aber sicher gehalten. Wenige Stunden nachdem das Gipfelteam am 20. August im Basislager einläuft, landet dort ein von Herrligkoffer organisierter Hubschrauber. Zwei Tage später liegt Ueli Bühler in einem Schweizer Spitalbett.

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